Innovation, Supply Chain • 2 Min. Lesezeit

Unternehmen prüfen Hyperloop-Lösung für Warenkorridor in den Niederlanden

Maurice Wehrmeijer Veröffentlicht am 21 January 2021

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Im größten Stadtgebiet der Niederlande zwischen Rotterdam und Amsterdam wird eine Pilotstrecke untersucht, die einen ersten Schritt zum Aufbau eines europaweiten emissionsfreien Hyperloop-Netzes darstellen würde. Die Voraussetzungen und Auswirkungen einer Hyperloop-Verbindung für Fracht zwischen wichtigen und volumenintensiven Knotenpunkten in den Provinzen Noord- und Zuid-Holland werden von einer umfangreichen Koalition aus (inter-)nationalen Unternehmen, Regierungen und Netzwerkorganisationen erforscht, wie Anfang dieser Woche in einer Vereinbarung festgelegt wurde. Ziel der Studie ist es, ähnliche Herausforderungen zu identifizieren und Lösungen zu finden, mit denen urbane Gebiete in anderen Teilen Europas konfrontiert sind, um so den Weg für Investitionen in Hyperloop-Infrastruktur auf dem gesamten Kontinent zu ebnen. Ein solches Netzwerk würde es ermöglichen, Waren innerhalb von Stunden statt Tagen quer durch Europa zu schicken, während ein globales Netzwerk die Transportzeiten auf wenige Tage reduzieren würde.

Die an dieser Studie beteiligten Parteien gehören zu den größten Exportindustrien der Niederlande oder sind an diesen beteiligt. Der Fokus liegt auf dem meistbefahrenen Frachtkorridor des Landes zwischen den Regionen Rotterdam und Amsterdam. Die Verbindung von Produzenten, Händlern, Käufern und Logistikzentren auf diesem Korridor mit einem Hyperloop bietet das Potenzial, den Transport mit bestehenden Modalitäten drastisch zu reduzieren sowie die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit der Lieferung deutlich zu erhöhen. Dies würde eine deutliche Reduzierung der Unterhaltskosten für die bestehende Infrastruktur bewirken und das Verkehrsstau-Problem entschärfen. Außerdem würde durch die Reduzierung der CO2-Emissionen eine deutliche Verbesserung der Luftqualität in dem dicht besiedelten Gebiet erreicht werden. Letzteres wäre ein wichtiger Schritt für den Transportsektor, um seine Verpflichtungen zur Erreichung der Ziele des Klimaabkommens zu erfüllen.

Walther Ploos van Amstel, Ökonom und Dozent Stadtlogistik der University of Applied Science of Amsterdam: "Hyperloop ist ein ‘Gamechanger’ für das Transportwesen, genau wie der Container in den 1960er Jahren. Die Wettbewerbskraft der Regionen wird sich ändern. Darauf müssen die Niederlande als logistischer Mainport von Europa jetzt reagieren."

Eine erste kommerziele Hyperloop-Anwendung

Die aktive Beteiligung dieser Parteien erfolgt unter dem Dach des Hyperloop Development Program (HDP), einer öffentlich-privaten Partnerschaft für die Entwicklung des Hyperloop, die Ende 2020 angekündigt wurde. Das HDP wird von der niederländischen Regierung finanziell unterstützt und konzentriert sich auf die Entwicklung des Hyperloop als neue nachhaltige Transportart, sowohl für Passagiere als auch für Fracht. Die Identifizierung und Untersuchung des Potenzials der ersten Frachtstrecken ist die erste seiner vielen Aktivitäten. Ein Cargo-Hyperloop-System erfordert eine kleinere Infrastruktur als das Passagiersystem und wird demnächst im European Hyperloop Center in der niederländischen Provinz Groningen getestet. Nach Abschluss dieser Tests soll das System für den kommerziellen Betrieb bereit sein, etwa auf dem Korridor, auf den sich die Studie konzentriert.
Ein Cargo-Hyperloop kann große Vorteile für die Frischwarenindustrie bieten, die einen erheblichen Teil der niederländischen Exporte ausmacht. "Diese Zusammenarbeit ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung dieser neuen Modalität für Waren, mit der wir in der Lage sein werden, schneller und mit höherer Kapazität zu einem niedrigeren Tarif zu liefern. Wir können Waren mit einer Geschwindigkeit transportieren, die sehr wettbewerbsfähig mit LKWs ist, mit häufigeren und kleineren Sendungen.Da das System autonom und ganzheitlich arbeitet, kann die Kapazität mit Platooning schnell und einfach angepasst werden", sagt Rik Roeske, Projektleiter des Cargo-Hyperloop, "das gilt natürlich nicht nur für die niederländische Industrie, auch viele andere Märkte, wie E-Commerce und Pharma weltweit, profitieren von einem solchen Netzwerk."

Gemeinsame Machbarkeitsstudie

Die Studie wird Themen wie Produktanforderungen, Integration, sozioökonomische Kosten und Nutzen sowie Betrieb und Wartung und die Entscheidungsfindung für mögliche nächste Schritte behandeln und soll bis Mitte 2022 abgeschlossen sein. Die beteiligten Parteien verfügen jeweils über wertvolle Erfahrungen, Kenntnisse und Daten, die notwendig sind, um die Machbarkeit eines Hyperloop-Systems für den Gütertransport für diese Pilotstrecke zu untersuchen.

An dieser Studie nehmen die folgenden Parteien teil: Agora Flores Holland, Air Cargo Netherlands, Amsterdam Airport Area, Amsterdam Logistics, APMT(Maersk), Baas, Berg Roses, ABC Logistics (Best Fresh), De Wintertuin, Dümmen Orange, Dutch Flower Group, Euro Pool System, evofenedex, Gemeinde Haarlemmermeer, Gemeinde Rotterdam, Gemeinde Westland, Greenport Duin- en Bollenstreek, The Greenery, GroentEnFruithuis, InnovationQuarter, Port of Amsterdam, Provinz Nordholland, Provinz Südholland, SADC, SVB transportgroep, Royal Schiphol Group, TLN.

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